Bewegungstherapie: Krankheitsbilder und Beschwerden

Genauso vielfältig wie die Erfolgsgeschichten von gehbehinderten Menschen sind die Ursachen und Ausprägungen ihrer Gehbehinderung. Dennoch führen insbesondere neuronale Erkrankungen fast immer zu Koordinationsschwierigkeiten und beeinträchtigen bei Betroffenen die Gehfähigkeit und damit ihre Unabhängigkeit. Auch eine erhöhte Stolper- und Sturzgefahr verunsichert Betroffene  und hält täglich Millionen von Menschen von der Partizipation an der Gesellschaft zurück!

Viele neuronale Schädigungen führen zudem oftmals zu Lähmungen und Muskelabbau, was die Gehfähigkeit noch weiter einschränkt. Gleiches kann auch Patienten bei langer Inaktivität passieren, z.B. bei langer Rekonvaleszenz nach dem Ersatz eines Hüftgelenks. Die daraus entstehende Immobilität treibt den Abbau des Bewegungsapparates weiter voran und führt zu einer Kettenreaktion. Ohne die richtige Therapie schaffen es Betroffene oftmals nicht mehr in die eigene Unabhängigkeit zurück.

Bessere Gehfähigkeit durch Bewegungstherapie

Das wiegt schwer. Gehfähigkeit bleibt quer durch alle Befragungen von Patienten mit großem Abstand das oberste aller Rehabilitationsziele. Studien zeigen, dass zum Beispiel Schlaganfallpatienten sogar ihren generellen Behinderungsgrad nur anhand ihrer Gehfähigkeit beurteilen. Zudem kann der Verlust der Gehfähigkeit zu Sekundärschäden wie Stoffwechselerkrankungen und Herz- und Lungenproblemen führen.

Daher ist es wichtig, die individuell richtige Gangtherapie zu definieren und konsequent durchzuführen. Das Gehirn ist zu unglaublichen Leistungen fähig, auch im hohen Alter! Viele Gehbehinderungen sind therapierbar! Sprechen Sie mit Ihrem Arzt und Therapeuten über Ihre Therapieziele und verlangen Sie eine effektive und evidenzbasierte Behandlung! Eine Auswahl an auf Rehabilitation der Gehfähigkeit spezialisierten Therapiezentren finden Sie mit unserem Gangtherapie-Finder.

  • Halbseitige Lähmung (Hemiplegie/Hemiparese)
  • Streckspastik; alle Gelenke in Streckstellung, damit auch Tendenz zur Plantarflexion im Sprunggelenk ähnlich wie beim Spitzfuß; das Bein „wird zu lang“ und muss beim Gehen kreisförmig herumgeführt werden („Zirkumduktion“)
  • Verminderte Gehgeschwindigkeit; Stolpergefahr durch erhöhte Schrittvariabilität und Fußheberschwäche

Mehr Informationen zur Bewegungstherapie nach Schlaganfall

  • Lähmungen, Schwäche und Taubheit in den Beinmuskeln
  • Gleichgewichtsstörung; Zittern
  • Ataktisches Gangbild (breitbeiniger und unsicherer Gang); „hölzernes“, ungelenkes Bewegungsmuster
  • Zirkumduktion; Steifigkeit; Spastik; Fußheberschwäche

Mehr Informationen zur MS Bewegungstherapie

  • Tetra-/Para-/Hemiplegie
  • 80% spastische Lähmung, selten ataktische (gestörte Bewegungskoordination) oder athetotische (unwillkürliche ausfahrende Bewegungen) Lähmung
  • Spitzfuß (wenn spastisch); Fußheberschwäche
  • Posturale Instabilität, erhöhte Stolpergefahr
  • „Crouched-gait“, „stiff-knee-gait“ (nur bei Tetra-/Paraplegie)

Mehr Informationen zur Cerebralparese Therapie

  • Bradykinese (verlangsamte Bewegungen)
  • Rigor (Muskelstarre)
  • Posturale Instabilität; erhöhtes Sturzrisiko
  • Freezing (Bewegungsblockade)
  • Reduzierte Schrittlänge; Fußanhebung („schlurfender“ Gang); gebeugte Haltung

Mehr Informationen zu Parkinson Bewegungstherapie

  • Tetra-/Paraplegie (komplett/inkomplett), abhängig von Läsionshöhe und Schweregrad
  • Empfindungsstörung unterhalb der Läsionshöhe
  • Gestörte Tonusregulation/Reflexe; Spastik
  • Haltungsschäden/Fehlstellung der Gelenke
  • Tetra-/Para-/Hemiplegie
  • Empfindungsstörung
  • Spastik
  • Gleichgewichtsstörung
  • Störungen der Bewegungs- und Handlungsabfolgen (Apraxie)
  • Ausgeprägte Muskelatrophie
  • Schlaffe Lähmung
  • Muskelschwund
  • Reduzierte Gehgeschwindigkeit; Schrittlänge; Fußanhebung
  • Erhöhte Zweibeinstandphase und Schritt-zu-Schritt-Variabilität
  • Gebeugte Haltung

Wie wirkt die Bewegungstherapie?

Wie der Namer bereits verrät, ist die Bewegungstherapie kein statisches Verfahren, sondern ein dynamischer Vorgang. Diese aktive Form der Physiotherapie passt sich während des Heilungsprozesses individuell an die steigende Belastbarkeit des Patienten an.

Die positive Wirkung der Bewegungstherapie äußert sich beispielsweise durch:

  • Die Aktivierung des Bewegungsapparates
  • Eine Verbesserung der funktionsgestörten Gelenke
  • Die Kräftigung geschwächter Muskulatur – Herstellung des Muskelgleichgewichtes
  • Die Dehnung verkürzter Strukturen wie Muskeln, Sehnen, Haut und Narben
  • Training der Koordination von Bewegungsabläufen
  • Förderung der Durchblutung

Durch ein gezieltes Behandlungsprogramm und Übungen, die individuell auf die Verfassung des Patienten angepasst sind, hat die Bewegungstherapie das Ziel nicht nur die Beweglichkeit, sondern dadurch auch die Selbstständigkeit der betroffenen Person zu stärken.

Nach einer Erkrankung oder Verletzung muss die körperliche Leistungsfähigkeit wieder aufgebaut werden bzw. erhalten bleiben. Die Fortschritte in der Selbstständigkeit durch eine bessere Bewegung tragen dabei entscheidend zur Lebensqualität bei!